Title | Plotin und Simplikios über die Kategorie des Wo |
Type | Article |
Language | German |
Date | 2009 |
Journal | Archiv für Begriffsgeschichte |
Volume | 51 |
Pages | 7-33 |
Categories | no categories |
Author(s) | Strobel, Benedikt |
Editor(s) | |
Translator(s) |
Wir haben im vorhergehenden drei semantische Interpretationen von Lokativen – als Ortsbezeichnungen, als Bezeichnungen von einem in einem anderen und als Ausdrücke von Relationen – kennengelernt, mit denen Plotin in VI 1 [42] 14 gegen die aristotelische Annahme der Kategorie des Wo (πού) argumentiert und die drei verschiedene Bestimmungen des Wo einschließen: als Ort (τόπος), als eines in einem anderen (ἄλλο ἐν ἄλλῳ) und als Beziehung zu einem Ort (σχέσις πρὸς τόπον). Dabei hat sich unter anderem gezeigt: (i) Weder diese Interpretationen noch die auf ihnen beruhenden Argumente überzeugen völlig, und Simplikios' Verteidigung der aristotelischen Annahme der Kategorie des Wo ist weitgehend erfolgreich, weist jedoch mit der These, dass Lokative nicht-reziproke Relationen ausdrücken, eine Schwachstelle auf. (ii) Plotins drittes, auf der Interpretation von Lokativen als Ausdrücke von Relationen beruhendes Argument überzeugt zwar letztlich nicht, weist jedoch auf ein ernsthaftes Problem für Aristoteles hin. (iii) Die in der antiken Philosophie weitverbreitete Auffassung, an einem Ort zu sein bedeute, von einem Körper umfasst zu werden, gründet in einem bestimmten Verständnis von Lokativen der Form ἐν τινι (z. B. ἐν Λύκειον und ἐν Ἀκαδημίᾳ). Dies bestätigt die zu Beginn aufgestellte These, dass die semantische Analyse von Lokativen Konsequenzen hat für die Wahl der Antwort darauf, was es heißt, an einem Ort zu sein, und was es heißt, der Ort von etwas zu sein. [introduction p. 30-31] |
Online Resources | https://uni-koeln.sciebo.de/s/aD2ORfI4GVXZhsH |
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