ΟΜΟΥ ΧΡΗΜΑΤΑ ΠΑΝΤΑ ΗΝ, 1971
By: Rösler, Wolfgang
Title ΟΜΟΥ ΧΡΗΜΑΤΑ ΠΑΝΤΑ ΗΝ
Type Article
Language German
Date 1971
Journal Hermes
Volume 99
Issue 2
Pages 246-248
Categories no categories
Author(s) Rösler, Wolfgang
Editor(s)
Translator(s)
Wie alle umfangreicheren Fragmente der Abhandlung Περί φύσεως des Anaxagoras ist auch Fragment 1 (VS 59 B 1) durch den Kommentar des Simplikios zur aristotelischen Physik überliefert. Simplikios hatte die Möglichkeit, ein Exemplar der Schrift des ionischen Philosophen zu benutzen. In seiner ganzen Länge erscheint das Fragment, dessen Stellung am Anfang des Buches ausdrücklich bezeugt ist, nur einmal (155, 26); daneben gibt es weitere Passagen, in denen lediglich der einleitende Satz bzw. dessen Beginn zitiert wird. Ein Überblick zeigt, dass zwischen den einzelnen Zitaten Unterschiede in der Wortstellung bestehen. Deshalb soll im Folgenden der Versuch unternommen werden, die ursprüngliche Anordnung in der Textvorlage des Simplikios zu rekonstruieren. Bekanntlich wird der Anfang der Schrift des Anaxagoras seit Platon in der griechischen Literatur häufig zitiert. Untersucht man jedoch die entsprechenden Stellen – mit Ausnahme derer bei Simplikios – auf ihren Wert als Zeugen für den genauen Wortlaut des Anaxagoras-Textes, so zeigt sich ihre Bedeutungslosigkeit rasch. Platon und Aristoteles zitieren nicht direkt aus dem Buch des Anaxagoras, was auch ihrer sonst geübten Praxis bei der Wiedergabe fremder Meinungen widerspräche, sondern paraphrasieren frei nach dem Gedächtnis. Die beiden Zitate bei Platon bieten zwar eine einheitliche Wortstellung (ὁμοῦ πάντα χρήματα), doch fehlt jeweils ἦν. In einem Fall (Gorg. 465d) sind die Worte des Anaxagoras sogar völlig in die betreffende Satzkonstruktion eingegangen. Letzteres trifft auch auf viele der Zitate bei Aristoteles zu, die im Übrigen Unterschiede in der Wortfolge zeigen und häufig unvollständig sind. Wie bei Platon umfassen auch die Zitate bei Aristoteles lediglich den unmittelbaren Beginn des Einleitungssatzes. Nur einmal (Met. 1056b 29) erscheint auch der folgende Satzabschnitt (bis πλῆθος καὶ σμικρότης, wobei diese beiden Substantive bei Aristoteles allerdings im Dativ stehen). Auch dieses Zitat besteht jedoch nur aus insgesamt neun Wörtern und konnte daher leicht aus dem Gedächtnis niedergeschrieben werden. Noch geringeren Quellenwert haben die Zitate bei späteren Autoren, da diese ihre Kenntnis Platon, Aristoteles oder einer ihrerseits aus zweiter Hand schöpfenden doxographischen Vorlage verdankten oder die Einleitungsworte des Anaxagoras, die im Laufe der Zeit regelrecht zur παροιμία wurden, überhaupt nur vom Hörensagen kannten. In der Wortstellung treten fast alle denkbaren Variationen auf, kein Zitat reicht über den unmittelbaren Anfang der Schrift Περί φύσεως hinaus. Als Grundlage der Rekonstruktion bleiben somit nur die Passagen bei Simplikios. Wie eingangs bemerkt, wird Fragment 1 im Physik-Kommentar nur an einer Stelle (155, 26) in seiner Gesamtheit zitiert, während die übrigen Zitate nur den Anfang wiedergeben; im günstigsten Fall reichen sie (wie schon bei Aristoteles) bis σμικρότης. Nun bietet 155, 26 eine Wortstellung, die nur bei Simplikios und im Physik-Kommentar nur hier begegnet, nämlich ὁμοῦ χρήματα πάντα ἦν. Angesichts der Isoliertheit dieser Version trugen H. Diels und W. Kranz, die Herausgeber der Vorsokratiker-Fragmente, keine Bedenken, sich an dieser Stelle über die Überlieferung hinwegzusetzen und für χρήματα πάντα die seit Platon häufig vorkommende Wortfolge πάντα χρήματα in den Text aufzunehmen, die im Übrigen auch in den Kurzzitaten bei Simplikios die Regel ist. Dennoch ist nicht daran zu zweifeln, dass der Anfang der Schrift des Anaxagoras gerade in 155, 26 richtig wiedergegeben ist. Denn nur hier im Physik-Kommentar zitiert Simplikios nachweislich unmittelbar aus seinem Anaxagoras-Text, den er für die übrigen Zitate ihrer Kürze wegen nicht eigens einsah. Dass er in diesen Fällen die geläufige, freilich unkorrekte Wortfolge übernahm, kann nicht verwundern, zumal sie auch in der von ihm kommentierten Schrift des Aristoteles erschien. Diese Auswertung der Zitate von Fragment 1 im Physik-Kommentar des Simplikios wird dadurch gesichert, dass in einer anderen Abhandlung desselben Autors, im Kommentar zu Aristoteles' De caelo (608, 21), ein zweites Mal der Anfang der Schrift Περί φύσεως in der Version ὁμοῦ χρήματα πάντα ἦν zitiert wird. Entscheidend ist, dass es sich auch in diesem Fall um ein so langes Zitat handelt (bis σμικρότης), dass Simplikios dafür eigens im Anaxagoras-Text nachschlagen musste. [the entire text]

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Dass er in diesen F\u00e4llen die gel\u00e4ufige, freilich unkorrekte Wortfolge \u00fcbernahm, kann nicht verwundern, zumal sie auch in der von ihm kommentierten Schrift des Aristoteles erschien.\r\n\r\nDiese Auswertung der Zitate von Fragment 1 im Physik-Kommentar des Simplikios wird dadurch gesichert, dass in einer anderen Abhandlung desselben Autors, im Kommentar zu Aristoteles' De caelo (608, 21), ein zweites Mal der Anfang der Schrift \u03a0\u03b5\u03c1\u03af \u03c6\u03cd\u03c3\u03b5\u03c9\u03c2 in der Version \u1f41\u03bc\u03bf\u1fe6 \u03c7\u03c1\u03ae\u03bc\u03b1\u03c4\u03b1 \u03c0\u03ac\u03bd\u03c4\u03b1 \u1f26\u03bd zitiert wird. Entscheidend ist, dass es sich auch in diesem Fall um ein so langes Zitat handelt (bis \u03c3\u03bc\u03b9\u03ba\u03c1\u03cc\u03c4\u03b7\u03c2), dass Simplikios daf\u00fcr eigens im Anaxagoras-Text nachschlagen musste. 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ΟΜΟΥ ΧΡΗΜΑΤΑ ΠΑΝΤΑ ΗΝ, 1971
By: Rösler, Wolfgang
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Volume 99
Issue 2
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Author(s) Rösler, Wolfgang
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Wie alle umfangreicheren Fragmente der Abhandlung Περί φύσεως des Anaxagoras ist auch Fragment 1 (VS 59 B 1) durch den Kommentar des Simplikios zur aristotelischen Physik überliefert. Simplikios hatte die Möglichkeit, ein Exemplar der Schrift des ionischen Philosophen zu benutzen. In seiner ganzen Länge erscheint das Fragment, dessen Stellung am Anfang des Buches ausdrücklich bezeugt ist, nur einmal (155, 26); daneben gibt es weitere Passagen, in denen lediglich der einleitende Satz bzw. dessen Beginn zitiert wird.

Ein Überblick zeigt, dass zwischen den einzelnen Zitaten Unterschiede in der Wortstellung bestehen. Deshalb soll im Folgenden der Versuch unternommen werden, die ursprüngliche Anordnung in der Textvorlage des Simplikios zu rekonstruieren.

Bekanntlich wird der Anfang der Schrift des Anaxagoras seit Platon in der griechischen Literatur häufig zitiert. Untersucht man jedoch die entsprechenden Stellen – mit Ausnahme derer bei Simplikios – auf ihren Wert als Zeugen für den genauen Wortlaut des Anaxagoras-Textes, so zeigt sich ihre Bedeutungslosigkeit rasch. Platon und Aristoteles zitieren nicht direkt aus dem Buch des Anaxagoras, was auch ihrer sonst geübten Praxis bei der Wiedergabe fremder Meinungen widerspräche, sondern paraphrasieren frei nach dem Gedächtnis.

Die beiden Zitate bei Platon bieten zwar eine einheitliche Wortstellung (ὁμοῦ πάντα χρήματα), doch fehlt jeweils ἦν. In einem Fall (Gorg. 465d) sind die Worte des Anaxagoras sogar völlig in die betreffende Satzkonstruktion eingegangen. Letzteres trifft auch auf viele der Zitate bei Aristoteles zu, die im Übrigen Unterschiede in der Wortfolge zeigen und häufig unvollständig sind. Wie bei Platon umfassen auch die Zitate bei Aristoteles lediglich den unmittelbaren Beginn des Einleitungssatzes. Nur einmal (Met. 1056b 29) erscheint auch der folgende Satzabschnitt (bis πλῆθος καὶ σμικρότης, wobei diese beiden Substantive bei Aristoteles allerdings im Dativ stehen). Auch dieses Zitat besteht jedoch nur aus insgesamt neun Wörtern und konnte daher leicht aus dem Gedächtnis niedergeschrieben werden.

Noch geringeren Quellenwert haben die Zitate bei späteren Autoren, da diese ihre Kenntnis Platon, Aristoteles oder einer ihrerseits aus zweiter Hand schöpfenden doxographischen Vorlage verdankten oder die Einleitungsworte des Anaxagoras, die im Laufe der Zeit regelrecht zur παροιμία wurden, überhaupt nur vom Hörensagen kannten. In der Wortstellung treten fast alle denkbaren Variationen auf, kein Zitat reicht über den unmittelbaren Anfang der Schrift Περί φύσεως hinaus.

Als Grundlage der Rekonstruktion bleiben somit nur die Passagen bei Simplikios. Wie eingangs bemerkt, wird Fragment 1 im Physik-Kommentar nur an einer Stelle (155, 26) in seiner Gesamtheit zitiert, während die übrigen Zitate nur den Anfang wiedergeben; im günstigsten Fall reichen sie (wie schon bei Aristoteles) bis σμικρότης. Nun bietet 155, 26 eine Wortstellung, die nur bei Simplikios und im Physik-Kommentar nur hier begegnet, nämlich ὁμοῦ χρήματα πάντα ἦν.

Angesichts der Isoliertheit dieser Version trugen H. Diels und W. Kranz, die Herausgeber der Vorsokratiker-Fragmente, keine Bedenken, sich an dieser Stelle über die Überlieferung hinwegzusetzen und für χρήματα πάντα die seit Platon häufig vorkommende Wortfolge πάντα χρήματα in den Text aufzunehmen, die im Übrigen auch in den Kurzzitaten bei Simplikios die Regel ist. Dennoch ist nicht daran zu zweifeln, dass der Anfang der Schrift des Anaxagoras gerade in 155, 26 richtig wiedergegeben ist.

Denn nur hier im Physik-Kommentar zitiert Simplikios nachweislich unmittelbar aus seinem Anaxagoras-Text, den er für die übrigen Zitate ihrer Kürze wegen nicht eigens einsah. Dass er in diesen Fällen die geläufige, freilich unkorrekte Wortfolge übernahm, kann nicht verwundern, zumal sie auch in der von ihm kommentierten Schrift des Aristoteles erschien.

Diese Auswertung der Zitate von Fragment 1 im Physik-Kommentar des Simplikios wird dadurch gesichert, dass in einer anderen Abhandlung desselben Autors, im Kommentar zu Aristoteles' De caelo (608, 21), ein zweites Mal der Anfang der Schrift Περί φύσεως in der Version ὁμοῦ χρήματα πάντα ἦν zitiert wird. Entscheidend ist, dass es sich auch in diesem Fall um ein so langes Zitat handelt (bis σμικρότης), dass Simplikios dafür eigens im Anaxagoras-Text nachschlagen musste. [the entire text]

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Platon und Aristoteles zitieren nicht direkt aus dem Buch des Anaxagoras, was auch ihrer sonst ge\u00fcbten Praxis bei der Wiedergabe fremder Meinungen widerspr\u00e4che, sondern paraphrasieren frei nach dem Ged\u00e4chtnis.\r\n\r\nDie beiden Zitate bei Platon bieten zwar eine einheitliche Wortstellung (\u1f41\u03bc\u03bf\u1fe6 \u03c0\u03ac\u03bd\u03c4\u03b1 \u03c7\u03c1\u03ae\u03bc\u03b1\u03c4\u03b1), doch fehlt jeweils \u1f26\u03bd. In einem Fall (Gorg. 465d) sind die Worte des Anaxagoras sogar v\u00f6llig in die betreffende Satzkonstruktion eingegangen. Letzteres trifft auch auf viele der Zitate bei Aristoteles zu, die im \u00dcbrigen Unterschiede in der Wortfolge zeigen und h\u00e4ufig unvollst\u00e4ndig sind. Wie bei Platon umfassen auch die Zitate bei Aristoteles lediglich den unmittelbaren Beginn des Einleitungssatzes. 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